Ja, mein Geburtstag ist schon wieder vorbei, ja ich bin schon wieder ein Stück schöner geworden ;) und ja, dieser Geburtstag war anders. Doch wenn nicht in China, wo sonst in dieser Welt erlebt man etwas anderes.
Jedoch noch kurz einige Worte zu meiner Woche vor meinem Geburtstag.
Am Mittwoch durfte ich einen kleinen Einblick in eine ganz andere Kultur bekommen. Am 26.10.2011 feierten meiner Mitstudenten das sogenannte Diwalifest oder auch Lichterfest.
Dieses Fest ist ein bedeutendes hinduistisches Fest und wird in Indien und anderen hinduistischen Ländern ausgiebig zelebriert.
Avril Lavigne, Winnie Pooh vs. Diwali..
Man hat mir gesagt, dass man dieses Fest aufgrund der Spiritualität und der sozialen Bedeutung mit Weihnachten vergleichen könnte. Die Art und Weise wie die jungen Leute versucht haben ihre Traditionen fortzusetzen war neben chaotisch, interessant auch ziemlich lustig! Laut Wikipedia ist die „Kernaussage des Festes der Sieg des Guten über das Böse, Licht über Dunkelheit und das Erkennen eigener innerer Stärken.“ Wesentliches Element sind die Lichter in allen Formen und Farben, Gebete, Süßigkeiten und Obst, welches man in feinster, traditioneller Kleidung miteinander teilt!
Alle Mädels hatten sich für diesen besonderen Tag schick gemacht. Als ich meinte, dass sie toll aussehen, kam nur als Antwort: " I could where the best dress ever, you would be the most beautiful!"..Nett, aber irgendwann nervt es auch nur noch..
Am Freitag sollte es gemeinsam mit Jonas, Mastertudent aus Bremen, mit dem Zug nach Nanjing gehen. Nanjing auch als Südstadt bezeichnet und ist deutlich westlicher, übersichtlicher und lebendiger als Wuhan. Hier konnten wir bei Rick, Englischlehrer aus Chicago, unterkommen und das Wochenende verbringen.
Gemeinsam glühten wir mit einem Höllengesöff der, Zitat Sascha, „Schlitzer“ mit dem Namen Bái jiu vor. Dieser „Reisweißwein“ ist klar und hat eigentlich nichts mit Wein zu tun, und ist neben hochprozentig unglaublich heimtückisch. Mein schwerer Kopf am Morgen sagte mir auch warum...
So viel dazu.. in meinen Geburtstag feierten wir in einer kleine Bar mit Livemusik hinein! Leider mussten wir vorzeitig die Feier verlassen, weil es mir aufgrund von bereits erwähnter berauschender Flüssignahrung nicht mehr möglich war den Abend mit meiner Anwesenheit zu bereichern...Also begann mein 23. Lebensjahr mit einer Lehre: Trinke niemals günstigen Bái jiu!
Den Samstag verbrachten wir nach guten Ham&Eggs Frühstück gemeinsam in einem Konfuzius Tempel in der Stadtmitte, welches eigentlich eher mehr einer Shoppingzone glich. Hier konnten wir unter den Tränen des Himmels auch noch die entsprechende Verkleidung für das Abendprogramm finden.
Nicht nur der Himmel war etwas bedrückt, sondern auch ich, da ich meinen Geburtstag das erste Mal nicht in der Heimat bei meiner Familien und meinen Freunden verbringen konnte und für meine Begleiter es ja doch nur ein ganz normaler Tag war. Aber gut, wer Fernweh hat wird auch solche Tage überstehen. Und im Nachhinein haben so viele liebe Menschen an mich gedacht! Wahnsinn! Danke für all eure kreativen Karten, Briefe, Glückwünsche und aufmunternde Worte! Das tat gut!
Am Abend stand dann die große Halloweenparty an..Ich glaube die Bilder sind am aussagekräftigsten...Was ich wohl sein mag? ;)
Wie unschwer zu erkennen war, sind fast nur western people auf den Bildern zu sehen. Halloween wird in China nicht gefeiert, was aber für uns kein Grund war mit unseren Kostümen die Straßen in Nanjing unsicher zu machen und einige Chinesen aus dem Taxi mit animalischen Geräuschen zu erschrecken.
Den Sonntag verbrachten wir in der Innenstadt: Stadtmauer, tollen Park, See mit Inseln und einen neuen buddhistischen Tempel gab es zu entdecken. Langsam flacht man etwas ab, was buddhistische Tempel angeht...
Way 2 cool...
Zum Glück ist man in China nicht allein...
Nanjing Railway Station...
Den Rest der Woche verbrachte ich im Krankenhaus und konnte noch einen kleinen Eindruck in den Bereich der Traditionellen chinesischen Medizin erhaschen. Diese Art von Medizin ist vollkommen verschieden zu den Denkansätzen, mit denen ich mich die letzten 3 Jahre befasst habe. Neben Yin und Yang konnte ich etwas über die 5 Elemente, das Qi und Xue erklärt bekommen UND dass TCM nicht nur Akupunktur ist. TCM beinhaltet ebenso nicht nur die klassische Schmerzbekämpfung mittel Akupunktur sondern befasst sich u.a. auch mit den Fachgebieten der Gynäkologie, Dermatologie und auch Onkologie. Ziel ist es nicht ein Symptom konkret mit Medikamenten zu behandeln, sondern die Ursache herauszufinden und den Körper bei seiner eigenen Immunabwehr zu unterstützen. Das ganze hat mich schon sehr beeindruckt und mir gleichzeitig aufgezeigt, dass man dieses Fachgebiet nicht mit einem kleinen Wochenendskurs abdecken kann. Diese Art von Medizin wird sein tausenden Jahren praktiziert und wird sich sicherlich nicht ohne Grund solang als Therapiemöglichkeit gehalten haben. So ganz nebenbei: in China wird direkt unterschieden, ob man Western Medicine oder TCM studiert. Ja und beides braucht 5 Jahr Bachelor, 3 Jahre Master und 3 Jahre Doktorarbeit!
Gestern stand dann meine Geburtstagsfeier in Wuhan an. Nichtsahnend hatte ich rein informativ meinen Prof. gefragt, ob er nicht ein gutes Lokal kennt und dort reservieren könnte. Das Ergebnis war: superedles Restaurant im Séparée, deutsches Bier, französischen Wein und eine kalorienbombe in Tortenform - fast ein bisschen europäisch!
Nach gutem Essen ging es zu 7(!) im Auto weiter in eine, so wie Chinesen es bezeichnen: „Diskobar“. Leider wollte unbedingt vorher Prof. Yang sein Auto an einem Feuerhydrant "parken", was kurzzeitig die Stimmung etwas senkte. Im Muse war alles schnell vergessen. Hier hatten wir einen Tisch reserviert und wurden mit allem erdenklichen verwöhnt:
Champagner, Whiskey Eistee, Fruchtplatten, Knabberein und lauter Musik. Im Laufe des Abends gab es noch ein kleines Fotoshooting für den clubinternen Bildschirm, damit auch jeder sieht, dass ich meinen Geburtstag feier.
Nun neigt sich auch langsam meine Zeit in Wuhan dem Ende zu. Ich werde am Dienstag mit dem Nachtzug nach Beijing fahren und dort bei Hauke, Stipendiat von Hainan, unterkommen. Am Samstag wird meine Mutti den heiligen Boden von China betreten und dann kann das Dreamteam auf reisen gehen. 5 Tage Beijing, 2 Tage Xian, 2 Tage Wuhan und 4 Tage Shanghai warten auf uns! Im Anschluss werde ich noch einmal allein mein Rucksack schnüren und mir noch einige Ecken von China anschauen um Mitte Dezember, zur besten Zeit des Jahres, nach Hause zu kommen!
Vielen Dank an alle, die an mich gedacht haben. Sei's per Mail, per Post, per FB oder einfach so eine Minute gedanklich bei mir waren! Danke!



