Dienstag, 13. Dezember 2011

Time runs fast..

... es sind bereits sagenhafte fünf Wochen vergangen in denen ich mit Sack und Pack gen Beijing aufgebrochen bin um von dort meine kleine Reise, erst mit Mama dann allein, durch China zu starten. Entschuldigt bitte, dass ihr so lang auf Neuigkeiten von der Chinanudel warten musstet - aber jetzt ist es endlich soweit!
Ein einzelner Post würde den Rahmen wohl sprengen, weswegen ich diesmal etappenweise berichte.

Vorher aber natürlich die wohl wichtigste Neuigkeit aus Fernost:

Ich werde mein Weihnachtsfest in China verbringen!

Am 27.12 werde ich mich mit Mira, Freundin aus Würzburg, in Hongkong treffen. Das gemeinsame Silvester kann wohl mit vielen anderen Leuten, die ich nun in China kennengelernt habe nur schön werden. Am 1.1 wird gegen Nachmittag uns ein Flieger nach Hanoi, Vietnam bringen, wo wir dann die nächsten 2 Wochen gemeinsam gen Süden reisen. Mein nächstes Etappenziel wird im Februar das Bigger-is-better-Land Texas sein, wo am 9.2 mein Praktikum in einer Allgemeinarztpraxis beginnt. Aber das alles ist noch Zukunftsmusik, nun zu meinen letzten 5 Wochen.

Am 8.11. startete ich von Wuhan aus mit dem Nachtzug gen Hauptstadt Beijing. Dabei hatte ich mich für einen Schlafabteil mit der Bezeichnung Hardsleeper Etage 2 entschieden. Was so viel bedeutet, dass mir ein ca. 60cm breites Bett in der zweiten von drei (!) Etagen ohne verschließbaren Abteil mit 5(,5) Chinesen für sagenhafte 30 Euro die Fahrt nach Beijing in den nächsten 10 Stunden versüßen sollte. Das wäre ja alles soweit kein Problem gewesen, wäre da nicht dieses Kleinkind unter mir, was gerade in dieser Nacht ein unglaubliches Schreibedürfnis hatte. Dank Oropax und Schlaftablette kam ich irgendwann auf ein paar Stunden Schlaf...


Die darauffolgenden Tage verbrachte ich bei Hauke, Stipendiat von München, auf der Coach und konnte mich in aller Ruhe um ein Visum für Vietnam kümmern, den Campus und einige Studienkollegen von ihm kennenlernen und die Stadt allein erkunden, ehe ich mich am Freitag mit Nils, Volleyballer aus Oelsnitz (ja, die Welt ist eben doch ein Dorf...) traf, Feuerzangenbowle mit 30 anderen Audi, VW & Co. Praktikanten genoß und bis in die frühen Morgenstunden unterwegs war.

Herbst auf dem Campus..


CCTV Building


Am Sommerpalais mit Hauke...

Samstagmittag, doch noch etwas übermündet, holte ich dann mein liebstes Muddl mit kleinen Freudentränen am Flughafen in Beijing ab.

Muddl erfüllt sich ihren Kindheitstraum und reist mit Rucksack an..

Keine 5 Minuten waren wir gefahren, kam von ihr die erste Frage: "Sag mal, haben die mich woanders hingeflogen oder bin ich wirklich in China?" - es war alles andere als sie erwartet hatte. Blauer Himmel (es war wohl der schönste Tag im Jahr...aber ich hatte ihr versprochen gehabt, dass ich sie gebührend abhole und entschied mich aus diesem Grund für die Schönwettervariente und nicht für das Blasorchester *zwinker*), die Straßen waren sauber und umsäumt von unzählbar vielen futuristischen Hochhäusern! Den Samstag verbrachten wir noch schnäppchensuchend in einem der vielen Fakemarkets und ließen uns dort einige Sachen maßschneidern, ehe wir beide freudig gegen 22 Uhr nur noch ins Bett wollten. Vorher gabs natürlich Beijing Duck inklusive Stäbchenweitwurf von Mummy ;)...

Sonntagmorgen - der Himmel war noch imm blau, wenn nicht zu gar noch klarer - begann unsere erste Hardcoresightseeingwoche. Los ging es wohl in dem chinesichsten und eindruckvollsten Palast des alten Reiches: der verbotenen Stadt! Allein die rießigen Ausmaße, die Pracht und Herrschaftlichkeit ließen ein abgesehen von den Heerscharen an Touristen schnell in die damalige Zeit zurückversetzen. Um den Palast ganz zu sehen, brauchte man dann auch ein paar Stunden...!



Der Blick vom Jingshan Park über die Stadt war aufgrund der klaren Sicht einfach noch einmal beeindruckender...

Danach ging's weiter zum Tian'anmen Platz, DEM berühmten Platz vor dem Eingang zur Verbotenen Stadt. Flankiert vom Mao-Mausoleum, der großen Halle des Volks und dem Nationalmuseum gilt der Platz als einer der größten Plätze der Welt. Vermutlich auch einer der langweiligsten der Welt, wenn man mal einen französischen Platz oder Ähnliches im Vergleich sieht. Neben absoluter Sauberkeit, Ordnung und Überwachung (der Platz selber kann nur durch eine Flughafen-Sicherheitskontrolle betreten werden) gab es lediglich eine riesige LED-Propaganda-Videowand, die abwechselnd Landschaften und strammstehende Soldaten mit pathetischer Musik zeigt. Außerdem noch ein paar Fahnenmasten, ein Denkmal, zackigen Ehrenwachen und ein paar Chinesen die etwas verloren rumstehen..


Doch keine 100 Meter weiter standen wir in einer, wie auch sonst, künstlich aus dem Boden gestampften kapitalistischen Einkaufsmeile, die neben H&M, Starbucks, Gucci und Co. alles zu bieten hat - Verrückt!

Eine kleine Gasse weg von diesem kapitalistischen Monster waren wir wieder in China: Streetfood, alte Menschen, die auf der Straße zocken und Kaligraphie!


Den nächsten Tag widmeten wir uns dem Tempel of Heaven - unglaublich schön mit weitläufigen Gärten, Tempelanlagen - einfach himmlisch.
Das wahrzeichen von Beijing: die Halle des Erntegebets (Qíniándiàn 祈年殿), ein Gebäude mit kreisförmigen Grundriss auf einer Marmortreppe - WOW!



Besonders angetan war Mama von den am morgen tanzenden Menschen in und um die Parkanlagen des Himmelspalast.
Tango, morgens um halb 10 in China...


Das besonder an diesem Tag war, dass wir sogut wie allein waren und das bei noch immer klarem Wetter und Sonnenschein! Ich glaube aus diesem Grund ist der Tempel of Heaven mein ganz persönliches Hightlight vom Aufenthalt in Beijing gewesen.

Ein Drachen kommt halt selten allein...




Den Nachmittag verbrachten wir im Lamatempel...


Dienstag 15.11 hielt sich ein weiters Beijing Hightlight für uns bereit: die große Mauer!
Die verschiedenen Abschnitte kann man von Beijing aus gut mit Bus und Bahn erreichen. Da wir mit Ökotours Julia unterwegs waren, entschieden wir uns natürlich für die kostengünstigste Variante: 4,5 RMB oder 50 cent für eine Fahrtstunde an das wohl meistbesuchteste Stück der großen Mauer: Badaling. Da wir Offseason unterwegs waren, konnten wir uns nach einer halben Stunde wandern von den großen Massen entfernen und das Erlebnis auf der Mauer vollends genießen.

*Endorphine*

Die Mauer ist schon irgendwie etwas richtig besonderes, auch wenn ich sie mir noch viel höher und weniger kletterlastig vorgestellt habe. Irgendwann gehen einem dann doch die zig Tempel ein wenig auf den Nerv - denn so große Unterschiede sieht man da als Westler nicht..
Die Steigungen sind mitunter extrem, was die Sache umso lustiger macht und die Armeen von älterer oder highheelstragenden Touristen auf Distanz hält.

Die gute hat sich mit ihren 10cm hohen Absatzschuhen echt gut geschlagen, zur Not auch rückwärts die Mauer herunter...


Der Ausblick ist spektakulär! Hügelige Landschaft die im leichten Schleier von Nebel und Smog hängen, welche wie ein scharfes Messer von diesem Meisterwerk an Baukunst durchtrennt wird! WOW!


Den darauffolgenden Tag widmeten wir uns dem Sommerpalast, einer luftigen Residenz im Norden Beijing. Weitläufige Gärten, ein toller See und viel Zeit um auf den Gängen der alten Dynastien zu schlendern! Schön!



Von dort aus gings zum Olympiagelände von 2008. Natürlich mussten wir auch in das Birdnest hinein, in dem ca. 80 000 Menschen Platz finden und das Spektakel Olympia 2008 live miterleben durften. Das Warten in der Kälte hatte sich dann auch für diese Ilumination vom Birdsnest und Water Cube wirklich gelohnt!



Unseren letzten Tag in Beijing verbummelten wir in alle Gemütlichkeit im Financial District und in der Nähe unseres Hotels und landeten durch Zufall in einer durchaus exquisiteren Fresstraße...

...aufgespießte Skorpione gefällig?

Da meine Internetverbindung extrem langsam ist, werde ich erst einmal einige Bilder hochladen und in den nächsten Tagen von Xi'an, Wuhan, Shanghai und Co. berichten..

Freitag, 4. November 2011

Geburtstagshalloween...

Ja, mein Geburtstag ist schon wieder vorbei, ja ich bin schon wieder ein Stück schöner geworden ;) und ja, dieser Geburtstag war anders. Doch wenn nicht in China, wo sonst in dieser Welt erlebt man etwas anderes    
Jedoch noch kurz einige Worte zu meiner Woche vor meinem Geburtstag.
Am Mittwoch durfte ich einen kleinen Einblick in eine ganz andere Kultur bekommen. Am 26.10.2011 feierten meiner Mitstudenten das sogenannte Diwalifest oder auch Lichterfest.  
Dieses Fest ist ein bedeutendes hinduistisches Fest und wird in Indien und anderen hinduistischen Ländern ausgiebig zelebriert.    
 
Avril Lavigne, Winnie Pooh vs. Diwali..
Man hat mir gesagt, dass man dieses Fest aufgrund der Spiritualität und der sozialen Bedeutung mit Weihnachten vergleichen könnte. Die Art und Weise wie die jungen Leute versucht haben ihre Traditionen fortzusetzen war neben chaotisch, interessant auch ziemlich lustig! Laut Wikipedia ist die „Kernaussage des Festes der Sieg des Guten über das Böse, Licht über Dunkelheit und das Erkennen eigener innerer Stärken.“ Wesentliches Element sind die Lichter in allen Formen und Farben, Gebete, Süßigkeiten und Obst, welches man in feinster, traditioneller Kleidung miteinander teilt!    
Alle Mädels hatten sich für diesen besonderen Tag schick gemacht. Als ich meinte, dass sie toll aussehen, kam nur als Antwort: " I could where the best dress ever, you would be the most beautiful!"..Nett, aber irgendwann nervt es auch nur noch.. 
Am Freitag sollte es gemeinsam mit Jonas, Mastertudent aus Bremen, mit dem Zug nach Nanjing gehen. Nanjing auch als Südstadt bezeichnet und ist deutlich westlicher, übersichtlicher und lebendiger als Wuhan. Hier konnten wir bei Rick, Englischlehrer aus Chicago, unterkommen und das Wochenende verbringen.   
Gemeinsam glühten wir mit einem Höllengesöff der, Zitat Sascha, „Schlitzer“ mit dem Namen Bái jiu vor. Dieser „Reisweißwein“ ist klar und hat eigentlich nichts mit Wein zu tun, und ist neben hochprozentig unglaublich heimtückisch. Mein schwerer Kopf am Morgen sagte mir auch warum...
So viel dazu.. in meinen Geburtstag feierten wir in einer kleine Bar mit Livemusik hinein! Leider mussten wir vorzeitig die Feier verlassen, weil es mir aufgrund von bereits erwähnter berauschender Flüssignahrung nicht mehr möglich war den Abend mit meiner Anwesenheit zu bereichern...Also begann mein 23. Lebensjahr mit einer Lehre: Trinke niemals günstigen Bái jiu! 
Den Samstag verbrachten wir nach guten Ham&Eggs Frühstück gemeinsam in einem Konfuzius Tempel in der Stadtmitte, welches eigentlich eher mehr einer Shoppingzone glich. Hier konnten wir unter den Tränen des Himmels auch noch die entsprechende Verkleidung für das Abendprogramm finden. 
Nicht nur der Himmel war etwas bedrückt, sondern auch ich, da ich meinen Geburtstag das erste Mal nicht in der Heimat bei meiner Familien und meinen Freunden verbringen konnte und für meine Begleiter es ja doch nur ein ganz normaler Tag war. Aber gut, wer Fernweh hat wird auch solche Tage überstehen. Und im Nachhinein haben so viele liebe Menschen an mich gedacht! Wahnsinn! Danke für all eure kreativen Karten, Briefe, Glückwünsche und aufmunternde Worte! Das tat gut!    
Glückmünze werfen auf einen Goldbaum... 
Am Abend stand dann die große Halloweenparty an..Ich glaube die Bilder sind am aussagekräftigsten...Was ich wohl sein mag? ;)   
Blues Brothers on stage!
Posen wie die Großen ;)...
Wie unschwer zu erkennen war, sind fast nur western people auf den Bildern zu sehen. Halloween wird in China nicht gefeiert, was aber für uns kein Grund war mit unseren Kostümen die Straßen in Nanjing unsicher zu machen und einige Chinesen aus dem Taxi mit animalischen Geräuschen zu erschrecken. Den Sonntag verbrachten wir in der Innenstadt: Stadtmauer, tollen Park, See mit Inseln und einen neuen buddhistischen Tempel gab es zu entdecken. Langsam flacht man etwas ab, was buddhistische Tempel angeht...  
Kinder, die von ihren Eltern zum malen gestrietzt werden...
 
Way 2 cool...
Zum Glück ist man in China nicht allein...
Nanjing Railway Station... 
Den Rest der Woche verbrachte ich im Krankenhaus und konnte noch einen kleinen Eindruck in den Bereich der Traditionellen chinesischen Medizin erhaschen. Diese Art von Medizin ist vollkommen verschieden zu den Denkansätzen, mit denen ich mich die letzten 3 Jahre befasst habe. Neben Yin und Yang konnte ich etwas über die 5 Elemente, das Qi und Xue erklärt bekommen UND dass TCM nicht nur Akupunktur ist. TCM beinhaltet ebenso nicht nur die klassische Schmerzbekämpfung mittel Akupunktur sondern befasst sich u.a. auch mit den Fachgebieten der Gynäkologie, Dermatologie und auch Onkologie. Ziel ist es nicht ein Symptom konkret mit Medikamenten zu behandeln, sondern die Ursache herauszufinden und den Körper bei seiner eigenen Immunabwehr zu unterstützen. Das ganze hat mich schon sehr beeindruckt und mir gleichzeitig aufgezeigt, dass man dieses Fachgebiet nicht mit einem kleinen Wochenendskurs abdecken kann. Diese Art von Medizin wird sein tausenden Jahren praktiziert und wird sich sicherlich nicht ohne Grund solang als Therapiemöglichkeit gehalten haben. So ganz nebenbei: in China wird direkt unterschieden, ob man Western Medicine oder TCM studiert. Ja und beides braucht 5 Jahr Bachelor, 3 Jahre Master und 3 Jahre Doktorarbeit!  
Hier noch einige Bilder von meinem Neurochirurgie Team, Ambulanz und Co.   
Das ist nur eine kleine Nebenhalle im Tongji Hospital
Der Weg zur Ambulanz...  
Gestern stand dann meine Geburtstagsfeier in Wuhan an. Nichtsahnend hatte ich rein informativ meinen Prof. gefragt, ob er nicht ein gutes Lokal kennt und dort reservieren könnte. Das Ergebnis war: superedles Restaurant im Séparée, deutsches Bier, französischen Wein und eine kalorienbombe in Tortenform - fast ein bisschen europäisch!
Nach gutem Essen ging es zu 7(!) im Auto weiter in eine, so wie Chinesen es bezeichnen: „Diskobar“. Leider wollte unbedingt vorher Prof. Yang sein Auto an einem Feuerhydrant "parken", was kurzzeitig die Stimmung etwas senkte. Im Muse war alles schnell vergessen. Hier hatten wir einen Tisch reserviert und wurden mit allem erdenklichen verwöhnt:  
Champagner, Whiskey Eistee, Fruchtplatten, Knabberein und lauter Musik. Im Laufe des Abends gab es noch ein kleines Fotoshooting für den clubinternen Bildschirm, damit auch jeder sieht, dass ich meinen Geburtstag feier.
  Champagnerfeuerwerk...  
Ein hoch auf die Rechtsmediziner, die besser den Alkohol für ihre Patienten nehmen sollten und nicht für sich selbst...   
Wow..so fühlt man sich also als Star! Zu guter Letzt gab es noch einen großen Blumenstrauß, der gerade mein Zimmer mit Lilienduft verwöhnt!
Meine Geburtstagsblumen...^^   
Nur kurz: So cool, toll und dekadent das auch immer alles klingt, solltet ihr wissen, dass ich soetwas keinesfalls für selbstverständlich oder normal halte und auch diese Art von Lebensstil nicht als erstrebenswert ansehe!     
Nun neigt sich auch langsam meine Zeit in Wuhan dem Ende zu. Ich werde am Dienstag mit dem Nachtzug nach Beijing fahren und dort bei Hauke, Stipendiat von Hainan, unterkommen. Am Samstag wird meine Mutti den heiligen Boden von China betreten und dann kann das Dreamteam auf reisen gehen. 5 Tage Beijing, 2 Tage Xian, 2 Tage Wuhan und 4 Tage Shanghai warten auf uns! Im Anschluss werde ich noch einmal allein mein Rucksack schnüren und mir noch einige Ecken von China anschauen um Mitte Dezember, zur besten Zeit des Jahres, nach Hause zu kommen!     
Vielen Dank an alle, die an mich gedacht haben. Sei's per Mail, per Post, per FB oder einfach so eine Minute gedanklich bei mir waren! Danke!