Donnerstag, 15. Dezember 2011

Von Kriegern, Hühnern und Saugnäpfen..

Part II meiner Reise: Xian und Wuhan

Am Donnerstag, 17.11.2011, brachte uns ein Flieger von der Hauptstadt nach Xian. Xian befindet sich im Südwesten von Beijing und ist berühmt für die Terracottaarmee.


Vor mehr als 30 Jahren entdecke ein Landarbeiter einen der bedeutendsten archäologischen Funde des zwanzigsten Jahrhunderts im Westen von Xian. In den letzten Jahren wurden ca. 3000 Soldaten und Pferde und ca. 40000 Waffen ausgegraben und restauriert. Weitere 5000 Figuren befinden sich vermutlich noch unter der Erde.

Auf einem mehrere Tausend Quadratmeter großen Areal wurde eine Grabkammer, geschützt durch diese Armee lebensgroßer Tonsoldaten und Tiere, errichtet. 207 v. Chr. wurden Teile der Schächte geöffnet, beraubt und zerstört, weswegen eine Restaurierung ein Projekt für die Ewigkeit sein wird..


Wirklich beeindruckend, aber dennoch kam mir die Erkenntnis sehr schnell, dass diese Art von Berufstätigkeit einfach nichts für mich ist! Stundenlang nach der Nadel im Heuhaufen suchen, stets in der Hoffnung den richtigen Kopf auf den richtigen Körper zu finden...NE!

Xi'an hat aber nicht nur eine Armee zu bieten, sondern ist eine der wenigen Städte Chinas, die eine nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer besitzt! Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen, liehen uns zwei - naja - bezeichnen wir es mal zweirädriges Etwas aus und fuhren auf der 12 m breiten und 14 km langen Mauer einmal um die Innenstadt.

Tradition vs. Industrialisierung

Das muslimische Viertel mit tollem Straßenessen und der Drumtower waren ebenso sehenswert.


Samstagabend, 19.11.2011, flogen wir nach Wuhan, schnell Wäsche waschen, durchatmen und auf den kommenden Tag freuen. Denn dort ging es nach re ge mian (heiß trocken Nudeln, Spezialität von Wuhan) mit dem Bus auf die andere Seite des Yangtze River. Im Bus hatte Mama ihr erstes Wuhan Erlebnis - just for free! Ein kurzer Quitscher und dann war Mama klar, dass in diesem blauen Beutel vor ihr ist wirklich ein lebendes Huhn.. ja wir waren nicht mehr in Beijing oder Xian sondern in Zentralchina angekommen.


Wem steht die Jacke wohl besser?

Die gelbe Kranichpagode, das wohl wirklich einzig Sehenswerte von Wuhan durften wir natürlich nicht verpassen. Von dort ging es durch meine Lieblingsfrühstücksstraße über den Yangtze zur Shoppingmall und mit der Hochbahn zur Teeverkostung.
Yummy, Hühnerfüße ;)

Highlight des Abends war dann die Fuß- und Rückenmassage inklusive Schröpfen.
Schröpfen?
Schröpfen ist ein traditionelles Therapieverfahren bei der mittels Schröpfgläser ein Unterdruck auf begrenzten Hautarealen aufgebaut wird, um lokale Muskelverspannungen sowie -verhärtungen zu lösen und die Durchblutung zu fördern...

Vorher..

...nachher..

Naja, ich weiß nun um was es geht, aber bin nach meinen 10-tägigen Monsterklutschflecken eigentlich nicht mehr so scharf auf diese Art von Muskelrelaxation...*räusper*

Den darauffolgenden Tag zeigte ich Mama das Krankenhaus. Neben Ambulanz und Station habe ich sie auch mit in den OP genommen. Zum Glück ist sie weder weiß angelaufen noch umgefallen - nur beeindruckt war sie von der Anzahl an OPs und Menschen.
Den Rest des Tages verbrachten wir größtenteils mit Umpacken, Auspacken, Verpacken und möglichst geschickt Zusammenpacken, denn Mama reiste mit meinem Koffer aus und ich übernahm den Rucksack. Da sowohl im Koffer Beschränkungen in Sachen Gewicht und in dem Rucksack in Sachen Platz, war ich letztlich extrem stolz auf uns, dass wir alles irgendwie in beidem untergebracht haben. Nun habe ich zwar keine Winterjacke mehr und nur noch wenige dicke Sachen, aber die brauche ich ja nicht mehr lang - Zwiebelprinzip funktioniert ;).
Mittag waren wir mit meiner chinesischen Freundin Susanna bei einem Koreaner essen, der unsere Gerichte frisch vor unseren Augen zubereitet hat!



Susanna and me

Auch hier gab es wieder lustige Wegbegleiter auf den Straßen von Wuhan ;)...

Zum Abendbrot hatte uns mein Prof in ein Minderheitsrestaurant eingeladen. Dort servierten traditionell gekleidete Chinesen nur das Beste vom Besten: Mandarinenfisch ( oder auch explodierter Fisch), Froschschenkel, Süßkartoffelbällchen, Gemüse und Co.
Schon witzig, wie bei mir alles schon etwas zum Alltag geworden war und für Mama alles neu und toll war! Eigentlich schade, dass ich diesbezüglich schon etwas verwöhnt bin. Wie auch immer, chinesisches Essen ist einfach grandios!


Fortsetzung zu Shanghai, Suzhou und Co. kommen demnächst, hier schon einmal eine kleine Übersicht wo ich in den letzten Wochen war.

A=D=O=Wuhan, B= Beijing, C=Xian, E=G=Shanghai, F=Suzhou, H=Guilin, I=Yangshou; J=N=Chengdu, K=Jiuzhaigou, M=Leshan

Dienstag, 13. Dezember 2011

Time runs fast..

... es sind bereits sagenhafte fünf Wochen vergangen in denen ich mit Sack und Pack gen Beijing aufgebrochen bin um von dort meine kleine Reise, erst mit Mama dann allein, durch China zu starten. Entschuldigt bitte, dass ihr so lang auf Neuigkeiten von der Chinanudel warten musstet - aber jetzt ist es endlich soweit!
Ein einzelner Post würde den Rahmen wohl sprengen, weswegen ich diesmal etappenweise berichte.

Vorher aber natürlich die wohl wichtigste Neuigkeit aus Fernost:

Ich werde mein Weihnachtsfest in China verbringen!

Am 27.12 werde ich mich mit Mira, Freundin aus Würzburg, in Hongkong treffen. Das gemeinsame Silvester kann wohl mit vielen anderen Leuten, die ich nun in China kennengelernt habe nur schön werden. Am 1.1 wird gegen Nachmittag uns ein Flieger nach Hanoi, Vietnam bringen, wo wir dann die nächsten 2 Wochen gemeinsam gen Süden reisen. Mein nächstes Etappenziel wird im Februar das Bigger-is-better-Land Texas sein, wo am 9.2 mein Praktikum in einer Allgemeinarztpraxis beginnt. Aber das alles ist noch Zukunftsmusik, nun zu meinen letzten 5 Wochen.

Am 8.11. startete ich von Wuhan aus mit dem Nachtzug gen Hauptstadt Beijing. Dabei hatte ich mich für einen Schlafabteil mit der Bezeichnung Hardsleeper Etage 2 entschieden. Was so viel bedeutet, dass mir ein ca. 60cm breites Bett in der zweiten von drei (!) Etagen ohne verschließbaren Abteil mit 5(,5) Chinesen für sagenhafte 30 Euro die Fahrt nach Beijing in den nächsten 10 Stunden versüßen sollte. Das wäre ja alles soweit kein Problem gewesen, wäre da nicht dieses Kleinkind unter mir, was gerade in dieser Nacht ein unglaubliches Schreibedürfnis hatte. Dank Oropax und Schlaftablette kam ich irgendwann auf ein paar Stunden Schlaf...


Die darauffolgenden Tage verbrachte ich bei Hauke, Stipendiat von München, auf der Coach und konnte mich in aller Ruhe um ein Visum für Vietnam kümmern, den Campus und einige Studienkollegen von ihm kennenlernen und die Stadt allein erkunden, ehe ich mich am Freitag mit Nils, Volleyballer aus Oelsnitz (ja, die Welt ist eben doch ein Dorf...) traf, Feuerzangenbowle mit 30 anderen Audi, VW & Co. Praktikanten genoß und bis in die frühen Morgenstunden unterwegs war.

Herbst auf dem Campus..


CCTV Building


Am Sommerpalais mit Hauke...

Samstagmittag, doch noch etwas übermündet, holte ich dann mein liebstes Muddl mit kleinen Freudentränen am Flughafen in Beijing ab.

Muddl erfüllt sich ihren Kindheitstraum und reist mit Rucksack an..

Keine 5 Minuten waren wir gefahren, kam von ihr die erste Frage: "Sag mal, haben die mich woanders hingeflogen oder bin ich wirklich in China?" - es war alles andere als sie erwartet hatte. Blauer Himmel (es war wohl der schönste Tag im Jahr...aber ich hatte ihr versprochen gehabt, dass ich sie gebührend abhole und entschied mich aus diesem Grund für die Schönwettervariente und nicht für das Blasorchester *zwinker*), die Straßen waren sauber und umsäumt von unzählbar vielen futuristischen Hochhäusern! Den Samstag verbrachten wir noch schnäppchensuchend in einem der vielen Fakemarkets und ließen uns dort einige Sachen maßschneidern, ehe wir beide freudig gegen 22 Uhr nur noch ins Bett wollten. Vorher gabs natürlich Beijing Duck inklusive Stäbchenweitwurf von Mummy ;)...

Sonntagmorgen - der Himmel war noch imm blau, wenn nicht zu gar noch klarer - begann unsere erste Hardcoresightseeingwoche. Los ging es wohl in dem chinesichsten und eindruckvollsten Palast des alten Reiches: der verbotenen Stadt! Allein die rießigen Ausmaße, die Pracht und Herrschaftlichkeit ließen ein abgesehen von den Heerscharen an Touristen schnell in die damalige Zeit zurückversetzen. Um den Palast ganz zu sehen, brauchte man dann auch ein paar Stunden...!



Der Blick vom Jingshan Park über die Stadt war aufgrund der klaren Sicht einfach noch einmal beeindruckender...

Danach ging's weiter zum Tian'anmen Platz, DEM berühmten Platz vor dem Eingang zur Verbotenen Stadt. Flankiert vom Mao-Mausoleum, der großen Halle des Volks und dem Nationalmuseum gilt der Platz als einer der größten Plätze der Welt. Vermutlich auch einer der langweiligsten der Welt, wenn man mal einen französischen Platz oder Ähnliches im Vergleich sieht. Neben absoluter Sauberkeit, Ordnung und Überwachung (der Platz selber kann nur durch eine Flughafen-Sicherheitskontrolle betreten werden) gab es lediglich eine riesige LED-Propaganda-Videowand, die abwechselnd Landschaften und strammstehende Soldaten mit pathetischer Musik zeigt. Außerdem noch ein paar Fahnenmasten, ein Denkmal, zackigen Ehrenwachen und ein paar Chinesen die etwas verloren rumstehen..


Doch keine 100 Meter weiter standen wir in einer, wie auch sonst, künstlich aus dem Boden gestampften kapitalistischen Einkaufsmeile, die neben H&M, Starbucks, Gucci und Co. alles zu bieten hat - Verrückt!

Eine kleine Gasse weg von diesem kapitalistischen Monster waren wir wieder in China: Streetfood, alte Menschen, die auf der Straße zocken und Kaligraphie!


Den nächsten Tag widmeten wir uns dem Tempel of Heaven - unglaublich schön mit weitläufigen Gärten, Tempelanlagen - einfach himmlisch.
Das wahrzeichen von Beijing: die Halle des Erntegebets (Qíniándiàn 祈年殿), ein Gebäude mit kreisförmigen Grundriss auf einer Marmortreppe - WOW!



Besonders angetan war Mama von den am morgen tanzenden Menschen in und um die Parkanlagen des Himmelspalast.
Tango, morgens um halb 10 in China...


Das besonder an diesem Tag war, dass wir sogut wie allein waren und das bei noch immer klarem Wetter und Sonnenschein! Ich glaube aus diesem Grund ist der Tempel of Heaven mein ganz persönliches Hightlight vom Aufenthalt in Beijing gewesen.

Ein Drachen kommt halt selten allein...




Den Nachmittag verbrachten wir im Lamatempel...


Dienstag 15.11 hielt sich ein weiters Beijing Hightlight für uns bereit: die große Mauer!
Die verschiedenen Abschnitte kann man von Beijing aus gut mit Bus und Bahn erreichen. Da wir mit Ökotours Julia unterwegs waren, entschieden wir uns natürlich für die kostengünstigste Variante: 4,5 RMB oder 50 cent für eine Fahrtstunde an das wohl meistbesuchteste Stück der großen Mauer: Badaling. Da wir Offseason unterwegs waren, konnten wir uns nach einer halben Stunde wandern von den großen Massen entfernen und das Erlebnis auf der Mauer vollends genießen.

*Endorphine*

Die Mauer ist schon irgendwie etwas richtig besonderes, auch wenn ich sie mir noch viel höher und weniger kletterlastig vorgestellt habe. Irgendwann gehen einem dann doch die zig Tempel ein wenig auf den Nerv - denn so große Unterschiede sieht man da als Westler nicht..
Die Steigungen sind mitunter extrem, was die Sache umso lustiger macht und die Armeen von älterer oder highheelstragenden Touristen auf Distanz hält.

Die gute hat sich mit ihren 10cm hohen Absatzschuhen echt gut geschlagen, zur Not auch rückwärts die Mauer herunter...


Der Ausblick ist spektakulär! Hügelige Landschaft die im leichten Schleier von Nebel und Smog hängen, welche wie ein scharfes Messer von diesem Meisterwerk an Baukunst durchtrennt wird! WOW!


Den darauffolgenden Tag widmeten wir uns dem Sommerpalast, einer luftigen Residenz im Norden Beijing. Weitläufige Gärten, ein toller See und viel Zeit um auf den Gängen der alten Dynastien zu schlendern! Schön!



Von dort aus gings zum Olympiagelände von 2008. Natürlich mussten wir auch in das Birdnest hinein, in dem ca. 80 000 Menschen Platz finden und das Spektakel Olympia 2008 live miterleben durften. Das Warten in der Kälte hatte sich dann auch für diese Ilumination vom Birdsnest und Water Cube wirklich gelohnt!



Unseren letzten Tag in Beijing verbummelten wir in alle Gemütlichkeit im Financial District und in der Nähe unseres Hotels und landeten durch Zufall in einer durchaus exquisiteren Fresstraße...

...aufgespießte Skorpione gefällig?

Da meine Internetverbindung extrem langsam ist, werde ich erst einmal einige Bilder hochladen und in den nächsten Tagen von Xi'an, Wuhan, Shanghai und Co. berichten..