Der Chinesischkurs ist für postgraduated students, dass heißt ich sitze mit bereits graduierten Human- und Zahnmediziner aus der ganzen Welt zusammen. In der ersten Woche haben wir uns vor allem mit der Aussprach der einzelnen Buchstaben befasst und die ersten 10 chinesischen Zeichen eingeführt. Wenn ich mir so überlege, dass es bis zu 10.000 gibt, kann das echt lustig werden. Zumal das ja wie Bilder malen ist...
Im Krankenhaus bin ich nun in der Neurochirurgie angekommen. Neben wirklich beeindruckenden und abgefahrenen Operationen habe ich nun einen netten deutschsprechenden Professor an meine Seite bekommen. Dieser sieht die Arbeit im Krankenhaus eher als notwendige Nebenbeschäftigung und verbringt eigentlich lieber seine Zeit mit Essen, Kartenspielen, Massage und nun auch durch mich - mit Angeben. Sobald er mit seinen Operationen, in der Ambulanz oder mit der Visite fertig ist, gibt es für ihn anscheinend keine zwingende Anwesenheitspflicht im Krankenhaus.
Daher konnte ich diese Woche gleich zweimal ins Vergnügen kommen, ihm bei seinen Mittagsmahl zu begleiten. In einer Runde von 8 Männern, die anscheinend alle nicht arbeiten müssen oder nicht mehr brauchen, wurde erst einmal lautstark Karten gespielt. Da dieser elitäre Kreis wohlhabend ist, wurden letztendlich 10 Euro Scheine hin- und hergeschoben. Während auf der anderen Seite Assistenzärzte 20 Euro im Monat für ihre Arbeit, also rundum die Uhr, im Krankenhaus bekommen. Soviel zur Gleichheit in China...
Nun zum Essen: Ich durfte mir natürlich mein Seafood, welches zu diesem Zeitpunkt noch lebte, selbst aussuchen. Neben Austern, Muscheln, Mandarinenfisch und andere spannende Sachen war das Krebs essen schon mein besonderes Highlight. Und ja liebe Mama - ich hab's probiert und für gut befunden :).
Nach unserem Mahl ging es dann sofort noch für 1,5 Stunden in die Fußmassage incl. Körper mit Kleidung! Oh, es gibt nichts besseres...
Apropos Krankenhaus. Ich hatte ja in meinem letzten Post von dem Abschlussessen im Krankenhaus berichtet. Hier einige Impressionen.
Das ist sehr typisch für chinesische Krankenhäuser. Die Angehörigen der Patienten schlafen mit in dem Patientenbett.
An diesem Sonntag gab es ein besonderes Ereignis im Tongji Hospital. Anscheinend gibt es hier alle 2 Jahre ein Sportfest, vom Krankenhaus organisiert, an dem die einzelnen Fachbereiche gegeneinander antreten. Das ganze wird feierlich mit einem großen Einmarsch eröffnet und beginnt dann mit den Performances der einzelnen Fachgebiete. An Anschluss kämpfen die Fachbereich u.a. beim Tauziehen, Wettrennen oder Weitsprung gegeneinander, wobei der beste Bereich eine Prämie bekommt.
Von Schlafanzug- über Cheerleader- bis zum Skifahroutfit war alles in allen Farben vertreten.
Team der chirurgischen Abteilung
Mit vollster Begeisterung dabei - egal was man trägt...
Aber ich war auch nicht nur aktiv am Zuschauen dieses Wochenende. Ich habe auf Hainan einige amerikanische Lehrer kennen gelernt, die in Nanjing unterrichten und dieses Wochenende in Wuhan waren. Sie hatten mich gefragt gehabt, ob ich nicht Lust hätte bei ihnen im Frisbeeteam mitzuspielen. Gesagt - getan. Die Fahrt ans andere Ende von Wuhan war schon wieder eine Erlebnis der Kategorie "irgendwie regelt sich alles von selbst". Denn auf dem Weg zum Bus quatschte mich ein Ostafrikaner an, wo ich hin will und ob ich nicht mit bei ihm im Taxi mitfahren möchte, da die Busfahrt einfach viel zu lang dauert. So war ich schneller als gedacht in einer der 24 Unis - ich glaube Wirtschaftsuniversität - von Wuhan. Für die Rückfahrt habe ich übrigens 2 Stunden mit dem Bus gebraucht...
Kaum auf dem Campus angekommen, stellte ich fest das Dylan's Telefon nicht ging. Also machte ich mich auf die Suche nach einem westlichausschauenden Mädel. Beim genaueren Hinschauen stellte ich erfreut fest, dass fast mehr Europäer auf dem Spielfeld standen als Chinesen. Nach 1 Stunde quatschen mit Leuten aus Hongkong, Shanghai und Guangzhou konnte ich sie dann endlich finden.
Kurz erklärte man mir die Regeln, Tricks und Kniffe beim Frisbee spielen und schon ging es bei blauem Himmel und Sonnenschein aufs Feld. Leider konnte ich nur bei einem Spiel dabei sein und mussten uns auch noch 11:10 geschlagen geben. Aber cool war's trotzdem.
Die Aftershowparty konnte ich leider nicht mitnehmen, da ich bereits Jutta für die Deutsche Ecke zugesagt hatte. Hier treffen sich Studenten des Tongji Medical Colleges alle 2 - 3 Woche mit Jutta und diskutieren über verschiedenste Themen auf deutsch.
Hierbei sollte erwähnt werden, dass Tongji Hospital von einem deutschen Arzt gegründet wurde und seither ein intensiver Kontakt mit deutschen Universitäten und Firmen besteht. Deshalb gibt es auch jedes Jahr eine Sonderklasse, die in ihrem ersten Studienjahr nur Deutsch lernen und sich dann natürlich erhoffen irgendwann in Deutschland zu famulieren oder sogar studieren. Sehr angenehm und sehr witzig ging es diesmal um den chinesischen und deutschen Nationalfeiertag. Das gemeinsame singen bei der Nationalhyme darf natürlich nicht fehlen...
Die kommende Woche steht im Schein der Dermatologie, denn am Freitag wird es ernst. Im Anschluss möchte ich dann mit einem Kumpel aus Guangzhou nach Huángshan fahren um die Mountain of mists zu erkunden.
Viele Grüße aus Wuhan!
2 Kommentare:
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Na das klingt doch alles rech gut. Offensichtlich bist du über die Eingewöhnungsphase und deren Problemchen längst hinaus.Und das, was du zu sehen bekommst bzw. du alles so unternimmst, ist sicherlich mehr als interessant und für mitteleuropäische Verhältnisse ungewohnt und unbekannt. Nutze die Zeit und die Gelegenheit ! Auch die Fotos von dem Sportfest mit der farbenprächtigen Garderobe sind sehr interessant. Schicke nur mal ein Foto von dem Professor, mit dem du öfters mal so exclusiv zu Mittag speist. Möchte mir den Typ mal ansehen. :-)
Wir wünschen dir weiterhin alles Gute und eine schöne Zeit in Wuhan und "Umgebung".
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