Dienstag, 11. Oktober 2011

Hawaii von China...oder so etwas ähnliches

Die letzte Woche - die goldene Woche - sollte es für mich nach Hainan oder auch das Hawaii von China gehen. Gemeinsam beschloss ich mit Hauke, einem anderen Stipendiat aus Peking, den Weg in Richtung Südchina zu nehmen. Doch die Zeichen für Sonne, Strand und Faulenzurlaub standen nicht gut, denn Taifun Nalgae sollte uns einen tierischen Strich durch die Rechnung machen. Im nachhinein konnten wir uns glücklich schätzen, dass man uns Montagnachmittag auf Haikou hat landen lassen, denn am Dienstag wurden alle Flugzeuge aufs Festland umgeleitet. Soviel dazu...

*no comment*

Mit Hauke traf ich mich also am Flughafen und uns wehte tropisch feucht-warme Luft ins Gesicht. Kaum am Hostel angekommen, hörten wir laute Musik und schneller als gedacht standen wir in einem Kreis von 10 amerikanischen Englischlehrern in China. Tja, und da Regen kaum den Durst nach Sonne und Urlaub stillen kann, mussten wir zu einem anderen berauschenden Mittel greifen und da ihr sicherlich von Flo wisst, wie Amis feiern können, könnt ihr euch in etwa ausmalen, wie der Abend ablief. Letztlich landeten wir irgendwann in einem chinesischen Club.

Chinesische Clubs sind etwas anders als Deutsche:
Es gibt viele Stehtische und selten eine große Tanzfläche. An diesen Stehtischen spielt man irgendein Würfelspiel mit der Absicht seinen Gegenspieler schnellstmöglich ins Delirium zu schießen.
Und selbst auf diese Touriinsel gilt man als blonde, europäische Frau als exotisch und hat durchaus Vorteile was die Getränkeversorgung am Abend angeht. Schnell kamen wir Langnasen in Kontakt mit einigen wohlbetuchten Chinesen.

Bananahostel in Haikou - Partyconnection aus den USA beim gemeinsamen Dinner

Die darauffolgenden Tage sollte sich die Großwetterlage kaum ändern, sodass wir unter anderen durch ca. 30cm tiefes Wasser auf den Straßen von Haikou wateten.

Überschwemmungen in vielen küstennahen Regionen...

Ein besonderes Erlebnis war die Taxisfahrt am Mittwoch Morgen, als eine ca. 2,5m hohe "Wasserwelle" von einem Bus auf unsere Auto knallte. Aus diesem Grund versuchten wir im Hinterland, welches durchaus bergig und grün ist, unser Glück. Bis auf ein paar nicht vorhandenen Hotsprings und "Teefrauen", die alles andere verkauften außer Tee, blieb uns am Donnerstag nur die Fahrt nach Sanya - dem Touriort Nummer 1 von Hainan übrig.

Reisterassen im Landesinneren

Dort angekommen, wir waren übrigens zu dritt, stellten wir erschrocken fest, dass jedes größere Restaurant, Bar, Straße oder Hotel alle Werbeschilder in kyrillisch geschrieben hatte und wir lediglich auf russisch angesprochen wurden. Sanya ist das Mekka für alle sonnenhungrigen russischen Weißbäuche...
Kyrillisch everywhere - es gab sogar ein eigenes Einkaufszentrum

Nichts gegen ein feines Chinchillajäckchen für schlappe 35.000 Euro ;)

Dennoch wagten wir trotz allem Wind und Regen den Sprung ins warme Nass und erkundeten die Stadt. Neben tropischen Früchten, vielen Massageständen und Latinomusik sah es jedoch in vielen Ecken nicht wirklich nach Hawaii aus, sondern eher mehr chinesisch. Aber gut, man lernt hier mit der Zeit gekonnt wegzuschauen und wegzuhören, um die schönen Dinge umso mehr zu schätzen.
Frühstück klassich auf Plastikstühlen, aber immerhin sonnig

Was wäre "Hawaii" ohne Hawaiihemden?


Am Samstag wollte der Regen gar nicht mehr aufhören, so dass wir beschlossen, nun wirklich zu den Hot Springs zu fahren. Dieser Ort entpuppte sich als Insidertipp und war mein persönliches Highlight des Aufenthalts:
36 verschieden Whirlpools im tropischen Ambiente mit orientalischer Musik sollten uns den Frust nehmen. Diese Pools, teilweise auch als Separee verwendbar (...), wurden mit unterschiedlichen Zugaben wie Kaffee, Milch, Citrus, Wein usw. und 56 Grad heißen Wasser kombiniert. Also brodelten wir wie im Hot Pot vor uns hin, währenddessen es von oben erfrischend kühl niederging.

Zusätzlich gab es noch ein Pool, an dem Süßwasserfische abgestorbene Hautrest bzw. -schuppen von uns abknabberten. Also hatte ich da ca. 200 kleine Fische an meinen Füßen und Beinen...und das krabbelt ;).


Und was wäre ein dekadenter Spa ohne eine coole Bar im Pool. Das soll heißen, wir saßen hüfttief bei 35 Grad im Wasser an der Bar und genossen mit einigen holländischen Studenten ein kühles Blondes - besser kann man einen verregneten Tag nicht nutzen.




Sonntagmorgen gegen 7 Uhr kitzelten uns die ersten Sonnenstrahlen aus dem Bett, so dass wir die Chance am Schopfe packten und noch einmal den Strand nach Muscheln abliefen. Und natürlich mussten wir auch noch einige Bälle am Strand von Sanya schmettern - Deutschland konnte überlegen vom Platz ziehen.

Sanya Beach!

Die Heimfahrt gestaltete sich dann etwas adrenalinreicher als gedacht. Denn man sollte niemals blind Chinesen glauben, was sie einem versprechen. Ein Chinese würde nämlich niemals zugeben, dass er etwas nicht weiß, sondern er erfindet stattdessen einfach irgendetwas, was dann meist nicht der Wahrheit entspricht.
Trotz mehrfachen Nachfragens standen wir an der Zugstation und konnte leider nicht unser Ticket für die Fahrt zum Flughafen zur gewünschten Zeit buchen. Also mussten wir eine Stunde warten und kamen 16:20 in Haikou an. Leider ging aber mein Flieger nach Wuhan bereits um 16:50, sodass wir lossprinteten und wohlmöglich eine recht gute 2000m Zeit abgeliefert hätten. Selbst am Counter meinten sie dann "Hurry Up"! Aber manchmal hat man halt auch einfach etwas Glück. Denn als hinter mir die Tür geschlossen wurde und ich auf mein Ticket schaute, stellte sich heraus, dass ich zu allem "Übel" auch noch in der Businessclass gelandet war.

Soweit dazu. Nun gehe ich mit einem PJ'ler aus Hannover auf sein Abschiedsessen, welches skurrilerweise im Krankenhaus im 15. Stock des chirurgischen Komplexes stattfinden wird. Ich werde meine Kamera mal mitnehmen und schauen, ob ich ein paar Schnappschüsse bekomme.

PS.: Ich hatte heute meine erste Chinesischstunde - und mir kam wirklich viel chinesisch vor...

1 Kommentar:

Ulle hat gesagt…

"Ching Chang Chong, Chinesen im Karton" ;-)
Ich muss sagen, ich hab bisher oft ziemlich lachen müssen, aufgrund deiner lustigen Erlebnisse! Bin aber auch neidisch, weil es sich extrem interessant anhört. Finde den Blog auf jeden Fall super!
Wünsch dir weiterhin mächtig viel Spaß!
Greetz
Ulle