Montag, 27. Februar 2012

Wer hat an der Uhr gedreht?

Die Zeit rennt und ich weiß im Moment nicht, wer sie so schnell gedreht hat und wo sich der Pauseknopf befindet. Vor über drei Wochen habe ich Länder, Kontinente und einige Zeitzonen übersprungen und bin wohl auch irgendwo unabsichtlich auf den Speedbutton gekommen. Vietnam ist gefühlt lang her und mein Praktikum bereits halb um. Doch nun erst einmal noch einiges über die letzten Wochen in Vietnam seit Miras Abreise.

Nach meinen sonnigen Tagen in Mui Ne fuhr ich mit dem Bus in die Stadt des ewigen Frühlings: Dalat. Dalat befindet sich im zentralen Hinterland von Vietnam und hat neben Bergen, Blumen und Gemüseterrassen noch einiges anderes zu bieten. Dort teilte ich mir mit meinem Pariser (ja, sie haben wirklichen ihren eigenen Stolz...), einer Holländerin und einem Deutschen ein Hotelzimmer und erkundete am Anreisetag den zentralen Hauptmarkt und jene Umgebung.



Den Tag darauf liehen wir uns Mopeds aus (ich schwelgte in alten Schwalbenerinnerungen...) und crusten durch das Hinterland. Besonders hat mir das so genannte Crazy House gefallen.

Bei diesem super skurrilen, architektonisch einmaligen und irgendwie etwas verrückten Gästehaus starteten wir unsere Mopedtour.


Nicht zu übersehen war, dass der vietnamnesische Architektur sich von dem spanischen Baumeister Antoni Gaudi hat inspirieren lassen.
In diesem Haus verschmelzen Elemente der Banya Feige, unzähligen Tieren wie Giraffen, Spinnenweben und anderen bizarr-merkwürdigen Bestandteilen zu einem wirklich spannenden Gesamtwerk.
Natürlich hatten wir viel Spaß die Treppen, Gänge und Wege zu erkunden und uns in bestmöglicher Pose zu präsentieren. Unser Franzose hatte dafür ein unglaubliches Talent ;).


Im Anschluss ging es mit unseren Rollern ins Hinterland zu einigen umliegenden Wasserfällen, Dörfern und Tempeln.
Yeah!Chicken Village!
Den Abend ließen wir in der Nähe des Zentralen Marktes bei einem Bier ausklingen. Mit ein wenig Abstand war dieser Tag einer der schönsten Tage in Vietnam: vielseitig, lustig und dennoch ohne großen Stress!

Am nächsten Tag ging meine Reise mit der Holländerin, Joshua, nach Saigon weiter. Nach 10 Stunden Fahrt kamen wir endlich an, ein kleiner Snack, ein Bierchen auf der Straße und dann war der Tag bereits schon vorbei. An diesem Abend lernte ich einen Holländer kennen, mit dem ich am darauffolgenden Tag etwas Zeit hatte die Stadt zu erkunden. Saigon oder auch Ho Chi Minh Stadt ist mit über 7 Millionen Einwohner die Hauptstadt von Vietnam und bei weiten moderner, hektischer und pulsierender als Hanoi. Da das vietnamnesische Neujahr vor der Tür stand, hatten wir das Glück die tolle Blumenstraße in vollster Drachenpracht zu genießen.

Jahr des Drachens


Vorbei ging unsere Tour an der HCMC Notre Dame, Post und weiter zum Reunification Palace und Kriegsopfermuseum. In diesem Museum werden relativ einseitig aber dennoch eindrucksvoll im Rahmen einer Fotogalerie der Einsätze von Napalmbomben und anderen grauenhaften Kriegsvergehen wie beispielsweise Agent Orange beschrieben. Fotos von missgebildeten Kindern, Umweltzerstörung und schrecklichen Kriegshandlungen verdeutlichten, wie schrecklich die Zeit eines Krieges in jener Dimension war. Wie bereits erwähnt war der einzige Kritikpunkt dieses wirklich sehenswerten Museum die Einseitigkeit der Darstellung. Zusätzlich wurde noch eine Sammlung an Waffen, Panzern und Flugzeugen ausgestellt. Schlussfolgerung meinerseits: Krieg ist grauenhaft und in keiner Weise mit klaren Menschenverstand vertretbar.

Den Abend verbrachte ich gemeinsam mit den Leuten aus dem Hostel in der Backpackerarea, wo man auf kleinen Plastikhockern bei einem gemeinsamen Bier und 30 Grad über Reisen, Studium und den Rest der Welt redet. Es gibt wirklich schlimmere Abende ;).


Essen konnte man wie immer an jeder Ecke..

Den darauffolgenden Tag fuhr ich zu dem Cu Chi Tunnel in der Nähe von HCMC. In einer Gesamtlänge von 200km auf drei Etagen hatten die Vietcong (Aufständigen) anfangs zuerst im Kampf gegen Frankreich später gegen die USA ein unterirdisches Tunnelsystem erbaut, welches sie als Lagerraum, Lazarett später Wohnung, Küche, Schlafort und sogar als Schulen verwendet hatten.
Die Eingänge waren sehr klein und wurden clever durch Laub und Graswuchs getarnt. Teilweise wurden die Eingänge durch Spieße, Fallen und andere Bösartigkeiten gesichert.


Natürlich wurde uns auch die Möglichkeit angeboten in das Wirrwarr der Gänge einzudringen. Ein wirklich beengendes und unangenehmes Gefühl kam in mir auf - dunkel, eng und verwinkelt. (Dank Blitz sieht es hell aus.)

Und natürlich muss man auch den Touristen sinnloserweise eine Möglichkeit geben ihr Geld auszugeben. Wie kann man das am besten betreiben? Richtig, man baut einen extrem lauten Schießstand auf und lässt die Westler wild draufzuballern..*no comment*


Am selben Abend hatten wir die Ehre dem wohl wichtigsten Feiertag in Vietnam beizuwohnen: dem Tet, oder auch unter chinesisch/vietnamnesischen Neujahr bekannt.
Die gesamte Stadt war Abends auf den Beinen um das beeindruckende 20-minütigen Feuerwerk zu verfolgen, gemeinsam zu feiern und im Anschluss die Stadt mit ihren Mopeds endgültig lahm zu legen.
Es war unglaublich beeindruckend, wie viele Mopeds auf eine Straße, in einen Kreisverkehr oder auf einen Parkplatz passen können - soetwas habe ich noch nie gesehen! Und viel verrückt war, dass die darauffolgenden Tage Saigon wie ausgestorben war. Viele Einheimische verbrachten Zeit mit ihren Familien, Geschäfte waren zu 90% geschlossen und Tempel überlaufen. Wir versuchten unser Glück in einem Blumenpark, schlenderten durch die ausgestorbene Stadt und planten die kommenden Tage.


Ich entschloss mich am darauffolgeden Tag mit einem Paar aus Österreich eine eigenständige Tour durch das Mekongdelta zu unternehmen, mit dem großen Ziel auf der paradiesischen Insel Phu Quoc zu landen. Ersters funktionierte sehr gut. Wir buchten einen Bus in das kleine Örtchen Can Tho direkt im Zentrum des Mekong Delta.

Ho Chi Minh ist fast überall

Niedlich und wirklich noch vietnamnesische schlenderten wir nach 4 Stunden Busfahrt durch die Gassen und verbrachten den Abend mit unseren zukünftigen Reisebegleitern Ed aus Australien. Richtig: ein Osi zwischen Ausis und Ösis.
Aufgrund des Neujahresfest konnten wir leider unsere geplante Mekongdeltatour nicht am darauffolgeden Morgen unternehmen und verbrachten den Tag damit die Stadt unsicher zu machen, ausgiebig zu essen und uns die verschiedenen Tempel anzuschauen.


Am darauffolgenden Morgen ging es für uns bereits um 5:30 aus den Federn um die bekannten schwimmenden Märkte des Mekongs zu sehen. Leider wurden unsere Erwartungen etwas enttäuscht. Lediglich ein paar alte Boote waren zu sehen und nicht wie versprochen Obst und Gemüsehändler soweit das Auge reicht.

Die anschließende Fahrt zwischen den Engen Verbindungskanälen im Sonnenaufgang entschädigte etwas unseren enttäuschenden Auftakt. Doch wir ließen uns die Laune nicht verderben..


Unsere Weiterreise ging bereits am selbigen Tag in die Hafenstadt Rach Gia in der Hoffnung noch eine Fähre nach Phu Quoc zu bekommen. Trotz mehrfachen Telefonaten stellte sich vor Ort heraus, dass es für jenen Tag keine Tickets (wir danken dem Tet Festival) mehr gab, sodass wir notgedrungen noch eine Nacht bleiben mussten. Zeit für einen wahnsinnigen Sonnenuntergang, Maniküre, Australian Opens und das eine oder andere Tiger ;).



Am darauffolgenden Tag brachte uns endlich die Fähre auf die Paradiesinsel Phu Quoc im Golf von Thailand. Ruhiges, klares türkises Wasser, blauer Himmel und viel Sonne waren nun für die letzten Tage in Vietnam angesagt.

Leider setzte mich eine kleine Lebensmittelvergiftung für einige Tage etwas außer Gefecht, sodass ich weder schnorcheln noch eine Mopedtour machen konnte.

Lecker, aber anscheinend der Grund allen Übels ;)


Einmaliger Sonnenuntergang


Aber wie heißt es so schön: Es muss immer wieder einen Grund geben wieder zu kommen!

Am 31.1 ging es für mich nach einer abenteuerlichen Schiff- sowie Busfahrt zurück nach Saigon. Dort noch eine kleine Shoppingtour, letzte Vorbereitungen für die große Reise treffen, Rucksack packen und am 2.2 ab in den Flieger Richtung Texas - der Zeit entgegen! Von dort gibt es hoffentlich bald einen fortsetzenden Eintrag.

Abschließend kann ich nur noch einmal sagen:

Asien macht Spaß, ist anders, vielseitig, so erlebenswert und macht irgendwie süchtig!

Danke Vietnam!

Ich hatte eine super Zeit in Vietnam - habe viel gesehen, viel gelernt, viel ausprobiert und vieles erlebt! Ich möchte mich hiermit noch einmal bei denen bedanken, die mir das alles ermöglicht haben, mit mir mitfiebern und mir den Rücken stärken! Danke, es wird bald ein Wiedersehen geben!

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