Wie die Zeit so vergeht.. meine zweite Woche brachte wieder viele interessante Sachen zum entdecken, zum sehen und auszuprobieren. Doch alles der Reihe nach:
Am Montag musste ich mich noch um einige organisatorische Sachen kümmern und war u.a. zwischenzeitlich im Krankenhaus. Über das Kapitel Krankenhaus werde ich sicherlich später noch einmal ausführlicher berichten.
So viel nur dazu: es ist chinesisch, d.h. es sind viel zu viele Menschen auf viel zu wenig Platz. Beispielsweise werden die Stationen zu gewissen Zeiten zugesperrt, damit nicht so viele Angehörige in den Patientenzimmer sind. Angehörige übernehmen anders als in Deutschland die pflegerischen Tätigkeiten, d.h. sie sind rund um die Uhr am Krankenbett.
Die morgendliche Besprechung war an diesem Tag mein ganz persönlicher Höhepunkt:
ca. 50 Ärzte in einem 20qm großen Zimmer aufgereiht.
Genaueres werde ich noch einmal schreiben, wenn ich noch ein paar Bilder hab, denn sonst glaub mir das keiner ;).
Abends waren wir auf einem Nachtmarkt in einem der Zentren von Wuhan. Während die Stadt tagsüber nur laut, dreckig und hektisch ist, wirkt sie nachts ganz nett. Dann funkeln die Hochhäuser mit den Neonreklamen in den tiefen Straßenschluchten um die Wette und es macht Spaß, sich einfach so und ohne Ziel von den Menschenmassen durch die Straßen treiben zu lassen ohne dauern den Schmutz und Dreck zu sehen. Überall läuft chinesische Musik und die Menschen tanzen auf den Straßen.
Am Dienstag bin ich mit Lei und Johannes zu einem buddhistischen Tempel hier in Wuhan gefahren: der Guiyuan Tempel. Neben interessanter Architektur une viiielen Schildkröten gab es eine Pagode, die 108 goldenen Buddhas ausgestellt hat. Anhand seines Lebensalter soll man nun die Buddhas zählen, egal ob jeden zweiten, dritten oder vierten und anschließend sich eine Karte zu diesem Buddha kaufen, die die derzeitige Lebenssituation beschreibt.
Ich habe mir den Spieler "erzählt" und Lei meinte u.a. das ich stark und selbstbewusst bin und im Frühjahr alles gut werden würde - na dann ^^
Der Mittwochvormittag verbrachte ich im Krankenhaus. Es ist üblich, dass man von 8-12 arbeitet und dann erst mal einen Rest hat. Gegen 15 Uhr geht es dann weiter, weswegen meine Krankenhaustage meist nur 4 Stunden lang sind..
Nachmittag bin ich mit Saskia, Famulantin aus Mannheim, zum einzigen wohl sehenswerten Museum in Wuhan gefahren. Najaaa....
Anschließend waren wir ein wenig spazieren am Eastlake und sind fröstelnd wieder gen Heimat gefahren.
Für kurze Strecken nehmen wir uns meistens ein Taxi - das ist günstig und sicher - für längere Strecken den Bus. Bus fahren heißt hier, einmal bezahlen und so lang fahren, wie man möchte. Da kann es auch einmal passieren, dass man für 13 RMB (= ca. 0,13 €) 1,5 Stunden unterwegs ist.
Witzig ist auch, dass man an ungeraden Tagen (Mo,Mi,Fr,So) nur mit ungeradem Nummernschild (1,3,5,7,9) über bestimmte Brücken fahren kann. Dienstag, Donnerstag und Samstag haben die geraden Zahlen auf den Nummernschildern die Erlaubnis zur Überquerung. So dauert es manchmal ein gutes Weilchen, bis man das richtige Taxi erwischt, um auf eine andere Seite des Yankzi Fluss zu kommen.
Donnerstag war ich mit Lei und Johannes bei edlem Sonnenschein auf der Gelben Kranichpagode. Diese ehemalige Kneipe wurde insgesamt 13 mal zerstört und wieder aufgebaut.
Zusätzlich hatten wir viel Glück mit der Aussicht und konnten Wuhan relativ nebel- und smogfrei genießen.
Anschließend waren wir noch im Dichterpark und sind danach gemütlich durch eine kleine "Frühstücksgasse" gelaufen.
Yi, Lei und Johannes - typisch chinesisch ;)
Nachmittags war ich mit Saskia Badminton spielen wo wir erst einmal den Chefarzt der Thoraxchirurgie besiegt haben. Chefärzte werden hier übrigens gewählt...
Den Abend haben wir gemeinsam mit den beiden Freiburgerinnen Eva und Doro, sowie Saskia, Lei und Johannes in einem Hot Pot Restaurant verbracht. Hot Pot oder auch Feuertopf ist eine Art chinesisches Fondue. Ein Topf wird mit kochender Brühe, scharf oder mild, in die Mitte des Tisches gestellt. Während der Topf vor sich hin köchelt, werden verschiedenste Beilagen, dünne Rinderscheibchen, Kartoffeln usw. direkt in den Topf gehalten und am Tisch gekocht. Die gekochten Sachen werden dann mit einer leckeren Soße gegessen und gutem Reisschnaps kombiniert - yummy!!!!
Am Freitag Mittag ging es für Eva, Doro und mich auf Reisen. Ziel war der weltberühmte und zugleich umstrittenste Staudamm China - Der drei Shluchten Staudamm. Das ganze haben wir dann noch mit einer "Kreuzfahrt" durch die drei Schluchten auf dem Yankzi kombiniert. Da diese Tour nicht mehr englischsprachig zu buchen war, entschieden wir uns die chinesische Tour, was mich zwischenzeitlich an den Rand der Aggression gebracht hat...
Diese Tour sollte ein Erlebnis der besonderen Art werden - oder besser der chinesischen Art.
Das Abenteuer begann bereits beim Einsteigen in den Bus. 50 Chinesen bepackt mit Unmengen an Essen, die schupsend, drängelnd und schiebend zur Tür des Busses rannten, in der Hoffnung den besten Platz zu ergattern. Wir, die sich dieses Geschehen von der Ferne ansahen, hatten letztlich im hintersten Teil immerhin noch einen Platz abbekommen - zum Glück und das ganze ohne blaue Flecken.
Während den 4,5 Stunden Fahrt nach Yichang vernichteten die Chinesen ihre mitgebrachten Hühnerfüße, Süßigkeiten oder sonstige Leckereien.
In Yichang angekommen wartet eine Reiseleiterin auf uns, die uns letztlich aufgrund unserer Handynummer identifizieren konnte. Mit 2 weiteren Bussen und nach viel Warterei kamen wir gegen 21 Uhr endlich auf dem Boot an. Chinesen wandeln um solche Uhrzeiten bereits im Schlafanzug durch die Gänge - eventuell bedingt durch die erhöhte Konsumierung von Reisschnaps...
In der Kajüte wurden wir übrigens herzlich von einem großen Krabbeltiere empfangen. So viel dazu...
Samstagmorgen tutelte ab 5:30Uhr chinesische Aufwachmusik und als es 6 Uhr morgens Frühstück gab, hatten wir noch nicht einmal richtig die Augen offen, war ein Großteil der Chinesen mit dem Morgenmahl (Reissuppe, Sojabohnenmilch, Eier und Erdnüßen mit Brot... najaaa...) schon fertig.Puh!
Frühstück...
Erstes Highlight gegen 6:30 der Bootstour, war die Durchfahrt der ersten Schlucht - die Hexenschlucht oder auch Wu Xia. Danach fuhren wir mit einem kleineren Boot zur den Drei kleinen Schluchten um dort mit Drachenbooten in noch engere Schluchten zu gelangen.
In den kleinen Schluchten...
Um an sich an Land zu kommen bzw. auf ein anderes Schiff zu gelangen, überquerte man mehrere Schiffe hintereinander. Da war es auch nichts außergewöhnliches, wenn man durch Berge an frischgewaschener Kleidung lief...

Mittagessen gab es dann wieder auf unserem Schiff: Reis mit Gemüse, tausend Jahre Eier (=Eiweiß ist eine gelatinöse, bernsteinfarbene Masse, Eigelb aus quarkige Konsistenz und grün-schwarz verfärbt), sowie einem Fisch und anderen undefinierbaren Lebensmitteln.
Eine chinesische Delikatesse: Tausend Jahre Eier
Diese Feinheit gab aus in der Nähe des Hafens...yummmyy...^^
Anschließend hieß es wie immer in China: Have a rest! Und es war wirklich so: von 12 Uhr bis 14 Uhr hat man keinen Chinesen auf dem Boot gesehen, denn alle haben geschlafen. Wir haben derweilen die Vorzüge unserer "Kreuzfahrt" genutzt und uns aufs Deck des Daches gesetzt und die Sonne genossen.
Im Anschluss ging es flussabwärts zu einem kleinen Tempel, wo wir wie schon den ganzen Tag die eigentliche Attraktion waren: 3 deutsche junge Mädels, wovon zwei auch noch blond und groß waren. Hätten wir pro Foto 1 RMB verlangt, wären wir wohl an dem Wochenende locker auf 100 RMB gekommen. Foto hier, Foto da - und dann wurde man regelrecht auf das Foto gezogen, angefasst umherschupst und ermahnt, man solle doch noch einmal lachen. Zu Anfang war das ja alles noch witzig und lustig, aber nach 3 Tagen dauergrinsen war auch bei mir irgendwann die Geduld am Ende.
So und noch extremer...
Dieses tolle Motiv im Hintergrund ist eine der Schluchten und ist auf dem 10RMB Schein abgebildet
Da es hier bereits sehr früh dunkel wird, saßen wir am Samstagabend gegen 19:30 vollkommen müde in absoluter Dunkelheit auf dem Schiff und beschlossen gegen 21 Uhr zu schlafen.
Denn Sonntagmorgen sollte es erneut um 5:30 orientalisch tuteln... Nach unserem "Frühstück" durften wir diesmal sogar selbst ein wenig paddeln, uns im "klettern" üben sowie ein Theaterstück und ein Motorrad auf einem Hochseil bestaunen.
Auch hier war es erneut typisch chinesisch: laut, hektisch, derb und chaotisch. Das Einsteigen in den Drachenboote war wirklich lebensgefährlich, denn das Wort Rücksicht, gibt es anscheinend nicht in der chinesischen Sprache.
Nach 2 Stunden Boot sowie Busfahrt kamen wir dann an unserem eigentlich Highlight an: Der Drei Schluchten Staudamm.
Einige Fakten:
Das Wasserkraftwerk mit einer installierten Generator-Leistung von 18 200 Megawatt ist das größte der Welt, auch wenn es größere und längere Talsperren sowie Stauseen gibt. Der durch die Staumauer entstandene Stausee erstreckt sich durch die Drei Schluchten und ist 600km lang, das ist in etwa die Länge von Hamburg nach München. Ca. 1,2 Millionen Menschen in 13 große Städte, 140 kleiner Städte und 1350 Dörfer mussten für dieses gigantische Bauwerk umgesiedelt werden.
Durchaus umstritten und denkbar unspektakulär, aber dennoch impulsant allein schon bei der Vorstellung. Ich denke die Bilder illustrieren das Genannte ganz gut. Beeindruckend fand ich vor allem die 6 Schleußen...
3 Ladies und die Elsta WG am 3 Schluchten Damm ;)
Nach diesem hektischen hin und her war ich dann Sonntagabend mehr als froh, in meinem ruhigen Heim zu sein.
Nächste Woche ist in China Nationalfeiertag, wo das gesamt Land auf Beinen sein wird. Ich habe mich kurzerhand mit einem anderen Stipendiat aus Peking entschlossen ganz in den Süden von China auf Hainan zu fliegen. Diese Insel ist wohl ist das Hawai von China und wird nun kommende Woche erkundet und unsicher gemacht. Ich denke, dass vor Ort auch mehr Touristen und andere Langnasen unterwegs sein werden.
Bis dahin - Zàijiàn und genießt die Ruhe in Deutschland - sie ist goldwert!






