Das folgende Wochenende (02.12-04.12) verbrachte ich mit Mahoma, Kumpel aus Berlin, in der Umgebung von Guilin.
Guilin schaute ich mir am Freitag morgen allein an. Mit seinen 750.000 Einwohnern gab es neben all dem üblichen chinesischen Einkaufsstraßen ein zwei schöne Sehenswürdigkeiten:
Nachdem ich mich Mittag mit Mahoma getroffen hatte, nahmen wir schnellstmöglich den Bus um nach Yangshou zu kommen, ein Örtchen, welches bei weiten eindrucksvoller als Guilin sein sollte. Abgesehen von den Unmengen an Touristen inklusive Schnickschnackstraßen wurde Yangshou wirklich unsere Erwartungen von Lonely Planet & Co. gerecht: Berge mit bizarren Felsformationen, die vom Lifluss umschlängelt werden auf deinen Chinesen mit ihren putzigen Bamboobooten Touren anboten.
An diesem Abend war auch noch zu unserem Glück ein chinesisches Rockfest, an dem dann gänzlich mein Bild des zurückhaltenden und introvertierten Chinesen zerstört wurde. Neben harten und wirklich guten Gitarrenklängen, kam hin und wieder ein süßes Wölkchen eines bestimmten berauschenden Genussmittel durch die Luft geflattert, während in den ersten Reihen die Chinesen förmlich ausrasteten und wild durch die Gegend sprangen und pokten!Ein chinesischer Nachtclub ist eine sehr eigenwillige Erfahrung, wenn auch nicht unlustig. Man hat auch hier, wie an vielen Orten, das Gefühl, dass Chinesen solche Orte eigentlich nur aufsuchen, weil sie besonders „westlich“ sind. Das ist dann trendy, hip und in. Für ein gepflegtes Tänzchen haben Chinesen allerdings nicht so viel übrig, da hat man immer irgendwie das Gefühl, dass sie sich etwas unwohl fühlen. Folgerichtig ist der Dancefloor in einem Club nicht das zentrale Element. Anstelle dessen gibt es viele Separees, Stehtische, Tische mit Sofas und ähnlichen Sitzgelegenheiten, an denen man sich, je nach Finanzkraft, niederlassen kann. Wenn man sich dann als Chinese da eingefunden hat, bestellt man üblicherweise Alkoholika flaschenweise und investiert dabei unglaubliche Summen. Da werden auch gerne 90 € für eine Flasche Whiskey bezahlt. Man zeigt halt gerne, was man hat. Es geht auch hier wieder viel um sehen und gesehen werden, manchmal werden auch einfach nur 50 Flaschen Bier gekauft und vor sich auf dem Tisch aufgestellt - man hat's ja! Und lockt chinesische Frauen an, die mögen angeblich so etwas. Um die derartig feiernden Chinesen schwirrt dann immer noch ein Schwarm Kellner, die versuchen jeden (nach Möglichkeit kostenpflichtigen) Wunsch von den Lippen abzulesen.
Das Durchschnittsalter dieser verschwendungssüchtigen Chinesen liegt dabei allerdings auch deutlich über dem eines durchschnittlichen deutschen Discobesuchers. Jüngere Chinesen können die exorbitanten Preise solcher Etablissements auch gar nicht leisten.
Mit so etwas kann man als ausländischer Student natürlich auch nicht mithalten, kann sich das aber trotzdem interessiert anschauen und zur Musik tanzen. Eintritt muss man meistens nicht bezahlen, und wenn man Glück hat, wird man von den Clubs – sozusagen als Werbemaßname – mit Getränken gefüttert. Westler sind immer ein Aushängeschild, gerade für Etablissements, die den Anspruch hegen besonders „in“ zu sein. Man erhöht seine Reputation gegenüber den potenziellen chinesischen Kunden deutlich durch tanzende Westler auf der Bühne, auch wenn diese mit Getränken subventioniert werden müssen.
Als westliche Frau ist man natürlich noch begehrter und wird fast dazu genötigt, mit diesen wohlbetuchteren Chinesen zu trinken...Dennoch war für mich war an diesem Abendnach einer Stripeinlage irgendwie genug - das hatte ich bisher in China auch noch nicht erlebt.. ;)
Am darauffolgenden Tag liehen wir uns ein Fahrrad aus und erkundeten die umliegenden Karstberge. Unsere eigentliche Fahrradtour mussten wir aufgrund zu schönen Sonnenschein für 1,5 Stunden an ein ruhiges Stück Fluss verlegen und genossen einfach nur die Ruhe mit dieser fantastischen Aussicht:
Nach mindestens 30 Minuten wirklich steilen Bergauflaufen erreichten wir den Gipfel ( ich glaube Mahoma hatte mich unterwegs 3 mal geköpft.. ). Die Aussicht ließ dann aber sehr schnell alle bösartigen Gedanken im Winde verwehen! Dabei sollte erwähnt sein, dass wir ca. 5 ebenerdige Laufminuten vom Stadtzentrum entfernt waren...WOW!
Am darauffolgenden Tag fuhren wir früh von Yangshou über Guilin zu den Reisterassen von Longshen. Da wir wieder einmal die Zeiten und Distanzen unterschätzt hatten, konnten wir lediglich 3 Stunden in Pingan bleiben.

Es Folgt Part V und damit auch letzter Teil über Chengdu, Leshan und Co. in kürze ;)..

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