Freitag, 16. Dezember 2011

Jiuzhaigou, Pandas und Big Buddha

Part V - Chengdu, Jiuzhaigou und Leshan

Mein letzter großer Zwischenstopp befand sich in der Sichuan Provinz im Westen von China. Berühmtberüchtigt für scharfes Essen, Ausläufer von Tibet und nicht zuletzt für die unglaublich niedlichen Pandas.
Diesen Teil meiner Reise verbrachte ich mit Mark, Kumpel aus Berlin, und Jenai, Freundin aus Kanada, die ich während meines Aufenthalts bei Hauke in Beijing kennengelernt hatte!
Am Montag, 05.12.2012, trafen wir uns in einen der wohl coolsten Hostels von ganz China. Von dort aus erkundeten wir erst einmal Chengdu und mussten ernüchternd feststellen, dass diese Stadt bis außer ein paar Schweinefüße...

...Fleisch...

...vielen Menschen...

...nur noch das zu bieten hat...

die Schlitzhose!

Chinesische Kinder tragen nicht immer Windeln, sondern gerne auch geschlitzte Hosen. Also ganz normale Kinderhosen, mit einem Schlitz vorne und hinten. Das hat den lustigen Effekt, dass man oft sofort sehen kann, ob man einem männlichen oder weiblichen Kind gegenübersteht (Auffallen tut das hauptsächlich bei männlichen Kindern, anatomisch bedingt…). Ebenfalls erlaubt das den Eltern, dem Kind bei einem dringenden Bedürfnis ohne "Auspacken" zu helfen. Dazu nimmt man einfach sein Kind und hält es über einen geeigneten – oder weniger geeigneten – Ort. Beliebt sind Mülleimer, benutzte Nudelbecher und Blumenkübel. Das Kind kann dann in hohem Bogen aus dem Hosenschlitz sich in das entsprechende Behältnis erleichtern. Problematischer wird es, wenn gerade weder Mülleimer noch Blumenkübel verfügbar sind. Dann muss man halt nehmen, was kommt. So kann es auch gut passieren, dass eine Frau im Bus ihr Kind möglichst weit weg von sich in den Gang hält. Oder man nimmt das Kind und hält es in die nächstbeste Ecke. Man muss vielleicht zur Ehrenrettung dazu sagen, dass die meisten Chinesen das auch nicht gut finden, aber nichts sagen. Kinder und Eltern genießen hier eine gewisse Narrenfreiheit, denn Kinder sind ein nationales Heiligtum. Und in Anbetracht dieser Bedeutung verliert eine kleine Pfütze in der Ecke auch ihre Bedeutung.

Das soweit dazu, einzig Sehenswerte in Chengdu, war dann wohl mal wieder eine aus dem Boden gestampfte, möchtegern auf altgemachte chinesische Straße mit vielen roten Ballons, Kram und Co.

Aus diesem Grund entschieden wir uns für die nächsten Tagen eine dreitägige Tour zu dem 450km entfernten Nationalpark Jiuzhaigou zu unternehmen. Wenn man meint, man könnte 450km ja locker in 4- 5Stunden schaffen, schneidet sich in China selbst ins Fleisch. 10 Stunden Busfahrt durch beeindruckende Gebirgszüge, tibetanischen Dörfchen, zerstörten und heruntergekommenen Bauprojekten sowie glasklaren Flüssen ließen die Zeit dann doch schneller vergehen als gedacht.


Abgesehen davon endete unser Trip auf ca. 2200 Meter, was mir mit meiner Sommerjacke den ein oder anderen fröstelnden Moment bereitete, denn hier waren Schnee und Kälte bereits unumgänglich.

Doch auch hier hatte sich die Fahrt gelohnt, denn was uns am darauffolgenden Tag erwartete kann man kaum in Worten fassen, weswegen ich nun auch besser Bilder sprechen lasse:

Die ersten 6km liefen wir zwischen dem Bergmassiv in den Park hinein, um uns 10 Euro für den Bus zu sparen ;)

Long Lake auf 3300 Meter

Panda Lake

Mirrorlake mit Ido, Jenai und John

five color lake



Den eisigen Temperaturen hielten wir im Zwiebelprinzip aus:
Ich packte mich in 8 Schichten oben- und 2,5 unten herum ein. Jenai, als alte Kanadierin, zog sich eigentlich den ganzen Tag nur aus und Mark hatte mit seiner Thermokleidung auch weit zu viel an! Wie auch immer, es war ein super Tage mit tollen Seen, Wasserfällen und Gebirgszügen!

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir erneut im Bus und beschäftigten uns damit Jenai möglichst sinnvolle *räusper* deutsche Wörter und Sätze beizubringen.

Am Freitagmorgen stand dann ein weiteres Highlight an: das Panda Reservoir bei Chengdu.


Diese kleinen süßen Kreaturen leben hier in, für chinesische Verhältnisse, großen Gehägen und werden einmal im Jahr künstlich befruchtet, weswegen es mehr Zwillinge gibt als in natürlichen Verhältnissen. Süß aber irgendwie traurig, wenn man weiß, dass solche Jungs eigentlich zwischen Bamboobäumen sitzen sollten und nicht auf Betonplatten oder Plastikschaukelstühlen...

Roter Panda

Am Samstagmorgen fuhren wir mit Julia, Praktikantin aus Dresden, nach Leshan zum größten Buddha der Welt. Big Buddha misst mit seinen 71m eine beachtliche Größe und ist wohl auch deshalb von Touristenströmen durchzogen.

Gemeinsam mit Mark, Jenai und Julia gab es auch hier wieder viel zu viel Zeit um irgendwelche lustigen Bilder zu schießen ;).

Superman...






Nach 5 Wochen Reisen durch tolle Städte, beeindruckende Landschaften und vielen interessanten Bekanntschaften, kann ich nur sagen, dass meine Entscheidung nach China zu kommen die Richtige war! Egal wie hart jeder Anfang war und egal wie viele Tränen gerollt sind, ich hab es irgendwie geschafft mich in dieses Land zu verlieben. Es wird immer Dinge geben, die ich so nicht akzeptieren kann und will, aber es gibt Moment und Zeiten in denen man nur fasziniert auf ein Land voller Gegensätze blickt und für sich feststellt, dass jede einzelne Minute es wert war hierher zu kommen. Es gab Tage, an denen alles ganz toll oder ganz schrecklich war. Manchmal möchte man den Mann, der einem gerade vor die Füße gerotzt hat, mit dem Gesicht in die kleine Lache drücken um ihm zu zeigen, wie unhöflich das ist. An anderen Tagen möchte man ihm nur zu der wunderbaren Leistung gratulieren, meine Schuhe um 2 mm zu verfehlen. So ist alles irgendwie Ansichtssache.

Aber eines ist sicher: China macht süchtig!

Das Leben auf dem Land kann ruhiger nicht sein und gleichzeitig tobt und bebt es in den Städten. Eines steht fest, auch wenn meine Tage nun in Wuhan gezählt sind und ich noch einige Zeit in Vietnam verbringen werde, wird das nicht mein letzte Aufenthalt in China sein! Ich komme wieder, vielleicht nicht in einem Jahr, aber irgendwann!

Auch wenn die letzten Worte etwas pathetisch klangen, wollte ich damit nur sagen, dass es mir hier unglaublich gut geht, ich meine Auszeit von Deutschland sehr genieße und dennoch sehr genau weiß, wo mein zu Hause ist, wer für mich wichtig ist und all das hier nicht normal und alltäglich ist.

Weihnachten steht vor der Tür und deshalb möchte ich mich hiermit bei euch für jegliche Form von Unterstützung in den letzten Wochen und Monate bedanken. Es tut gut, wenn man weiß, dass zu Hause immer jemand ist, der einen egal wie verzwickt die Situation ist, den Rücken stärkt und da ist wenn man ihn braucht! Danke!

1 Kommentar:

Jörg Taschik hat gesagt…

Kompliment für deine Dokumentation und Respekt für deine Ansichten! hdl